Die Aufregung jagte mich vor dem Wecker aus dem Bett. Etwas übermüdet, aber glücklich flatterte ich durch meine Wohnung, knuddelte meine Katzen und packte die letzten Sachen. Kurze Zeit später kam auch schon Nica, die ich aus Versehen ein paar Mal um den Block fahren ließ, weil ich ihr die falsche Information gegeben habe.
Lachend und quasselnd fuhren wir dann Richtung Leipzig. Es kam mir vor wie ein Katzensprung. Auf dem Hauptbahnhof suchten wir nach einer Möglichkeit, wie wir »Andi, ich will ein Kind von dir« rüberbringen sollten, ohne dass es für den gesamten Bahnhof peinlich geworden wäre. Wir haben es gelassen – schade, hätte ihn bestimmt gefreut. War aber eine Freude, ihn endlich in die Arme zu schließen. Und ab da gingen die Albernheiten los. Im Duden müsste Andis Gesicht neben diesem Wort abgebildet sein.
Als wir endlich im Schloss ankamen, wusste ich, dass ich die Nacht mit Geistern rechnen müsste, aber Andi hat sich leider doch nicht dazu hinreißen können, mit dem Bettlaken durch die Flure zu spuken. Abwarten, die Woche ist ja noch nicht zu Ende.
Keine Geister – ehrlich. Ich habe keinen Einzigen gesehen (bis jetzt). Dafür treibt sich eine andere Seuche in unseren Räumlichkeiten herum: die Handysucht. Das Event bietet sich sehr gut für eine Social Media Präsenz und das sorgt dafür, dass wir an unseren Handys kleben und ständig Fotos in die Storys posten. Hach, die Junkies.
So zum Beispiel habt ihr unseren subtilen Versuch, Harry Potter zu spielen, mitbekommen. Unsere Räume sind fast mit den Farben der Hogwarts-Häuser identisch, wobei ich seltsamerweise in Gryffindor gelandet bin *Löwenschrei*. Man könnte auch meinen, ich hätte mich in einem Red Light Zimmer einquartiert. Vielleicht ist das ein kleiner Hinweis des Universums, ein paar Erotik-Romane zu schreiben. Brrrr, spürt ihr die Kälte, die gerade meinen Rücken kitzelt? Steht ein Geist hinter mir? Andi unter einem weißen Laken?
Apropos Geist! Nach dem gestrigen Livestream hatten wir uns mit einer Taschenlampe und etwas Handylicht bewaffnet und haben die dunklen Ecke des Schlosses erkundet. Wir haben eine Kettensäge und einen Opfertisch entdeckt – zumindest könnte man das als solches interpretieren. Der Christian hat dabei Melonen getragen, warum auch immer. Und der Andi hat mich andauernd erschreckt, das kann er verdammt gut. Dennoch haben wir eher die ganze Zeit gekichert, als uns gegruselt. Dieser kleine Ausflug hat mir die Angst vor dem Schloss genommen und ich konnte super schlafen. Nein, das ist eine Lüge! Eine Grille hat dafür gesorgt, dass ich zwei Stunden wachlag. Aber so hatte ich die Zeit, mir unseren Livestream anzuschauen. So viel Professionalität hätte ich von uns gar nicht erwartet. Die Technik hat funktioniert, der Raum war perfekt ausgeleuchtet, wir wussten immer, was wir sagen, wir waren ernst und haben alle Fragen ausführlich beantwortet.
Nicht.
Ist natürlich alles schiefgelaufen, was schlieflaufen konnte, aber dadurch war es authentisch und hat viel Spaß gemacht. Ob wir es heute besser hinbekommen? Darüber berichte ich morgen.
War das chronologisch? Absolut nicht. Ich habe noch nicht einmal erwähnt, dass wir uns auf einer wunderschönen Promenade vollgefuttert haben und Andi mir das unverschämte Angebot unterbreitet hat, mich in den See zu schubsen. Ich habe es dankend abgelehnt, denn so gut kennen wir uns noch nicht.
Habe ich auch schon was zum Schloss erzählt? Es ist ein Abenteuer. Ein Spielplatz für die Bauverrückten, denn es ist eine große Baustelle. An jeder Ecke gibt es etwas zu tun und zu entdecken – zum Beispiel Geister (immer noch nicht gesichtet). Wenn es mal dann fertig wird, wird es definitiv ein Märchen. Ich bin sehr froh, das Gebäude in diesem Zustand kennengelernt zu haben, denn man kommt so selten im Leben dazu, so etwas aus nächster Nähe zu sehen.
Der erste Tag war so voller Erlebnisse, dass ich kaum alles hier reinbringen kann, aber es wurde gelacht, interessante Infos ausgetauscht. Tolle Menschen, klasse Gespräche. Danke Christian, Nica, Andreas für diesen ersten Schreib-WG-Tag.

2018-08-29T14:16:46+00:00

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